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Was ist Judo?
(jap. judo = (wörtlich) sanfter Weg) ist eine japanische Kampfsportart,
deren Prinzip „Siegen durch Nachgeben” beziehungsweise „maximale
Wirkung bei einem Minimum an Aufwand” ist. Der Begründer des Judo
istJigoro Kano(1860-1938). Die darauf basierenden
Judo/Jiu-Jitsu-Vorläuferformen wurden Anfang des 20. Jahrhunderts für
den Wettkampf angepasst, das heißt viele, ursprünglich noch zahlreich
enthaltene, Waffen-, Tritt- und Schlagtechniken wurden entfernt, um aus
einer Kunst bis dahin vorwiegend zur Selbstverteidigung, eine
ganzheitliche Lehre für Körper und Geist zu machen. Die verbliebenen
Techniken sind hauptsächlich Würfe, Halte- und Würgetechniken sowie
Armhebel.
Judo ist nicht ausschließlich ein Weg der Leibesertüchtigung, sondern
darüber hinaus auch eine Philosophie zur Persönlichkeitsentwicklung.
Zwei philosophische Grundprinzipien liegen dem Judo im Wesentlichen
zugrunde. Zum einen das gegenseitige Helfen und Verstehen zum
beiderseitigen Fortschritt und Wohlergehen (jita-kyoei) und zum anderen
der bestmögliche Einsatz von Körper und Geist (sei-ryoku-zenyo).
Ziel ist es, diese Prinzipien als eine Haltung in sich zu tragen und
auf der Judomatte (Tatami) bewusst in jeder Bewegung zum Ausdruck zu
bringen. Ein Judo-Meister höre demnach niemals auf, Judo zu
praktizieren, auch wenn er nicht im Dojo (Trainingshalle) ist. Die drei
Säulen des Kodokan-Judo sind Kata, Randori und Shiai.
Die Entwicklung des JudoUrsprünge
Jigoro Kano
Die Wurzeln des Judo reichen bis in die Nara-Zeit (710–784) zurück. In
den beiden damaligen Chroniken Japans, dem Kojiki (712) und dem
Nihonshoki (720), gibt es Beschreibungen von Ringkämpfen, die
mythologischen Ursprungs sind. Seit 717 fanden am Kaiserhof alljährlich
Preisringen statt, an denen Ringer aus allen Provinzen teilnahmen.
Dieses Ringen wurde Sechie-Zumo genannt. Die Bushi griffen dieses Sumo
auf und entwickelten daraus das yoroikumiuchi (Ringen in voller
Rüstung).
Mit dem Aufstieg der Kriegerklasse Ende des 12. Jahrhunderts erlebten
die Kampfkünste einen starken Aufschwung. Das kulturelle Geschehen
wurde immer mehr vom Geist der Bushi bestimmt. In dieser Zeit
entwickelten sich die Ursprünge des Bushido.
Im Japan der Ashikaga-Epoche (1136-1568) entwickelten sich die
unterschiedlichsten waffenlosen Nahkampfsysteme. Eine Variante war
Kogusoku (kleine Rüstung). Diese Kampfart war nach denen in dieser Zeit
neu entwickelten leichteren Rüstungen benannt. In der Literatur und den
historischen Dokumenten aus dieser Zeit finden sich weitere
Nahkampfsysteme wie Tai-Jutsu („Körperkunst“), Torite („Ergreifen der
Hände“), Koshi-no-Mawari („Hüfteindrehen“), Hobaku („Ergreifen“),
Torinawajutsu („Kunst der Ergreifens und Verbindens“).
In der Mitte des 16. Jahrhunderts führten die Portugiesen die
Schusswaffen in Japan ein und die Kriegskünste – bugei mit Schwert,
Pfeil und Bogen verloren auf dem Schlachtfeld an Bedeutung. Ihre
Traditionen wurden aber in der Edo-Zeit fortgeführt und im Sinne des
Prinzips Bunbu (literarische Bildung und militärische Praxis) zur
Pflicht gemacht.
Für das Prinzip des Nachgebens Ju in der Kampfkunst gibt es
verschiedene Einflüsse, Erklärungen, Legenden und Anekdoten: Im
Konjaku-Monogatari findet man zum ersten Mal den Begriff yawara (weich)
im Zusammenhang mit einer Geschichte über das japanische Ringen. Groß
waren sicherlich auch die chinesische Einflüsse, denn seit der
Ashikaga-Epoche wurde offiziell der Handel mit China aufgenommen und
bis zum Ende des 16. Jahrhunderts immer weiter ausgedehnt.
Über die Entstehung des Jiu-Jitsu existieren unterschiedliche
Berichte, die einen legendenhaften Charakter haben. Ihr historischer
Wahrheitsgehalt ist schwer nachzuweisen. Die poetisch schönste ist
sicherlich die des Arztes Akiyama Shirobei aus Hizen, der in China
Medizin und die Kunst der Selbstverteidigung studierte. Wieder in
Japan, zog er sich in einen Tempel namens Dazai-Tenjin zurück. Der
Anekdote nach war es Winter, und am 21. Tag im Tempel trat starker
Schneefall ein. Er betrachtete die Bäume; ihm fiel auf, dass viele Äste
unter der Last des Schnees brachen, die des Weidenbaums aber wegen
ihrer Elastizität nachgaben und den Schnee abgleiten ließen. Auf Grund
dieses Vorgang soll der Arzt Shirobei das Prinzip des „Ju“ – Nachgebens
– in der Kampfkunst eingeführt haben. In der ersten Hälfte der
Edo-Epoche (17./18. Jahrhundert) entwickelten sich unzählige Jiu-Jitsu-
oder artverwandte Schulen – Ryu.
Wie Judo entstand und sich durchsetzte – Judo im heutigen Japan
Mit dem Ende der Tokugawa-Zeit und der Öffnung Japans kam es
auch zu starken Veränderungen in der japanischen Gesellschaft. Durch
die Meiji-Reform kam es zu einer Fülle von staatlichen,
wirtschaftlichen und kulturellen Reformen. Die japanischen Künste
wurden stark zurückgedrängt alles „westliche“ hatte Vorrang. Doch schon
zu Beginn der achtziger Jahre gab es eine Rückbesinnung im Bezug auf
die geistlichen und sittlichen Werte.
Jigoro Kano (1860-1938) wuchs in diesem Japan der extremen
Veränderungen auf. Er lernte Jiu-Jitsu an verschiedenen Schulen wie der
Tenshinshinyo-Ryu und der Kito-Ryu.
1882 gründete Jigoro Kano seine eigene Schule, den Kodokan
(„Ort zum Studium des Weges“) in der Nähe des Eisho-Tempels im
Stadtteil Shitaya in Tokio. Er nannte seine Kunst Judo – „der sanfte
Weg“. Beim Judo befreite er die alten Jiu-Jitsu-Stile von gefährlichen
Elementen. Stöße, Schläge, Tritte und viele Hebeltechniken,
insbesondere die Kleingelenkhebel, wurden ersatzlos gestrichen oder in
die Kata integriert. Die verbleibenden Techniken ermöglichten einen
sportlichen Zweikampf, ohne dass größere Verletzungen zu befürchten
waren.
Judo setzte sich in Japan allerdings erst durch, als die
Schüler Kanos (zuvor Jiu-Jitsu Praktizierende) im Jahre 1886 einen
regulären Kampf zwischen der Kodokan-Schule und der traditionellen
Jiu-Jitsu-Schule „Ryoi-Shinto Ryu“ für sich entscheiden konnten.
Aufgrund dieses Erfolges verbreitete sich Judo in Japan rasch und wurde
bald bei der Polizei und der Armee eingeführt. 1911 wurde Judo an allen
Mittelschulen Pflichtfach. Es wird behauptet, Kano habe das Judo
durchaus als ernstzunehmende Selbstverteidigungskunst inklusive
Schlägen und Fußtritten konzipiert (ohne die ein Sieg über „Ryoi-Shinto
Ryu“ nicht möglich gewesen wäre).
Der berühmte japanische Regisseur Akira Kurosawa drehte seinen ersten Film Sanshiro Sugata 1943 über das Judo.
Der Weg in den Westen
1906 kamen japanische Kriegsschiffe zu einem
Freundschaftsbesuch nach Kiel. Die Gäste führten dem deutschen Kaiser
ihre Nahkampfkünste vor. Wilhelm II. war begeistert und ließ seine
Kadetten in der neuen Kampfkunst unterrichten. Der damals bedeutendste
deutsche Schüler war der Berliner Erich Rahn, der im Jahre 1906 die
erste deutsche Jiu-Jitsu-Schule gründete. Weitere Pioniere im Judo sind
Alfred Rhode und Heinrich Frantzen (Köln). 1926 fanden in Köln im
Rahmen der 2. Deutschen Kampfspiele die ersten Deutschen Judo
(Jiu-Jitsu)-Meisterschaften statt. 1932 wurde im Frankfurter
Waldstadion die erste internationale Judo-Sommerschule durchgeführt.
Anlässlich der Judo-Sommerschule wurde am 11. August 1932 der Deutsche
Judo-Ring gegründet. Erster Vorsitzender wurde Alfred Rhode. Der
Begriff Judo setzt sich, wie schon im restlichen Europa, auch in
Deutschland durch. 1933 besuchte Jigoro Kano mit einigen Schülern auf
einer Europareise auch Deutschland und gab Lehrgänge in Berlin und
München.
Im August 1933 wurde Judo von den Nationalsozialisten in
das Fachamt Schwerathletik des Deutschen Reichsbundes eingegliedert und
verlor damit seine Eigenständigkeit. Die letzten Deutschen
Meisterschaften in der NS-Zeit fanden 1941 in Essen statt. Die ersten
Judo-Europameisterschaften wurden 1934 im Kristallpalast in Dresden
ausgerichtet.
Nach dem 2.Weltkrieg war Judo bis 1948 durch die Alliierten
verboten. 1951 fanden in Frankfurt die ersten Deutschen Meisterschaften
nach dem 2.Weltkrieg wieder statt. 1952 wurde das Deutsche
Dan-Kollegium (DDK) (Vorsitz: Alfred Rhode) und 1953 der Deutsche
Judobund (Vorsitz: Heinrich Frantzen) gegründet. 1970 wurden in
Rüsselsheim die ersten Deutschen Meisterschaften der Frauen
ausgerichtet.
Bei den Olympischen Spielen in Tokio, 1964, war Judo
erstmals als olympischer Sport zu sehen. Informationen über Erfolge
deutschsprachiger Sportler sind in späteren Abschnitten zu finden.
Heute wird Judo in über 150 Ländern ausgeübt und ist damit die weitest verbreitete Kampfsportart der Welt.
Judo-Praxis
Ausbildung
Traditionell tragen Judoka eine knöchellange weiße Baumwollhose
(Zubon) und darüber eine halblange weiße Jacke (Uwagi) aus Baumwolle,
die durch einen farbigen Gürtel (Obi) zusammengehalten wird (Judo-Gi).
Um in Wettkämpfen die beiden Kontrahenten besser unterscheiden zu
können, trägt bei internationalen Meisterschaften ein Judoka einen
blauen Judogi. Ist dies nicht möglich, werden die Kämpfer durch einen
zusätzlichen roten bzw. weißen Gürtel unterschieden. An der Gürtelfarbe
kann man den Ausbildungsstand eines Judoka erkennen. Es gibt die
Schüler- und Meistergrade. Die Schülergrade gehen bis zum braunen
Gürtel. Die Meistergrade beginnen mit dem schwarzen Gürtel. Jeder
Anfänger beginnt mit einem weißen Gürtel und kann dann durch Prüfung
den nächst höheren Grad erlangen. Der Prüfling demonstriert dabei
Fallübungen, Stand- und Bodentechniken, die nach Höhe der Graduierung
immer schwieriger werden. Seit dem 1. August 2005 gilt in Deutschland
die einheitliche Kyuprüfungsordnung des DJB, nach der zusätzlich in
jeder Gürtelprüfung ab dem 3. Kyu (grüner Gürtel) eine Kata vorgeführt
werden muss, d. h., eine genau vorgeschriebene Abfolge von
Bewegungsformen und Techniken. Das Kata-Training führt häufig zu einem
noch besseren Beherrschen der jeweiligen Techniken, da auf eine absolut
saubere Ausführung der jeweiligen Technik geachtet wird. Es gibt Boden-
und Stand-Kata.
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